Bilanz einer grandiosen Schafschurzeit

Rückblick Schafschur im Sommer 2016

Es ist August, das Wetter startet in dieser Woche einen letzten Versuch für ein bisschen Sommerstimmung. Gemüse, Obst und Getreide wird geerntet. Es ist eine tolle Zeit, ich bin dankbar für die leckeren Kartoffeln, die ich letzte Woche mit meiner Oma aus dem Garten gebuddelt habe. Aber diese Jahreszeit bedeutet auch, dass das Schafe Scheren vorbei ist.

Suffolk, Heidschnucke, Ouessant, Skudde, Schwarzkopf, krainer Bergschaf, Merino, ostfriesisches Milchschaf, Nolana, tiroler Bergschaf und Moorschnucke.

Groß, klein, schlank, fett, gut gepflegt, vernachlässigt, handzahm und wild.

Im Stall, im Verschlag, auf der Wiese, mit und ohne Strom, im Dreck, bei Sonne und Regen.

Anreise per Fahrrad, Auto und Zug, in der Stadt, auf dem Land, Archehof, Familienbetrieb, Wohnprojekt, Rasenmäher.

Unterstützung, Verständnis, Freude, Lachen, Unzufriedenheit, Ungläubigkeit, Verlässlichkeit, aber vor allem Dankbarkeit.

Die Schursaison war für mich einfach nur unvergesslich! Es gab viel mehr Höhen als Tiefen, ich habe viele tolle Menschen kennen gelernt und unglaubliche Erfahrungen gemacht. Ein paar Dinge sind mir besonders in Erinnerung geblieben.

Die schönsten und witzigsten Ereignisse von unterwegs

Ich komme gerne nur für ein oder zwei Tiere und nehme dafür auch eine längere Anfahrt auch mich, wenn dann aber ein Nolana Schaf auf mich wartet, muss ich schon etwas schlucken und auch etwas schmunzeln. Nolana Schafe verlieren ihre Winterwolle von alleine, das dauert aber etwas und zwischendurch können die Tiere ganz schön gerupft aussehen. Die Besitzerin hatte das Schaf gerade erst geschenkt bekommen und wollte dem Schaf etwas Gutes tun und ihm eine Schur gönnen. Ich habe sie aufgeklärt, dass ihr Schaf ein Nolana Schaf ist und nicht geschoren werden muss. Scheren sollte ich es dann aber trotzdem, weil ich ja schließlich schon da war und damit das Schaf wieder ordentlich aussah.

Ich bin oft mit dem Zug zu Kunden gefahren, weil ich als Studentin ein Semesterticket habe und auch weil ich der Umwelt zu Liebe wenn möglich auf ein Auto verzichte. Dabei habe ich viele schöne Ecken von NRW und Niedersachsen kennen gelernt. Ich war sehr begeistert, dass es so reibungslos geklappt hat, wenn die Kunden mich vom Bahnhof abgeholt haben.

Zu einer Kundin in Bielefeld bin ich auch mit dem Zug gefahren und hatte für das letzte Stück mein Fahrrad dabei. Auf dem Rückweg habe ich leider den Zug um ein paar Minuten verpasst. Weil das Wetter aber so schön war, bin ich einfach die ganze Strecke mit dem Fahrrad zurück gefahren. Das war seit langem Mal wieder eine lange Fahrradtour und ich habe sie in vollen Zügen genossen!

Dann gab es immer mal wieder kleinere Probleme: „Die Schafe lassen sich sonst immer ganz leicht einsperren, nur heute ist der Wurm drin.“ „Auf dieser Steckdose ist ausgerechnet heute kein Strom, ich muss noch ein paar Verlängerungskabel holen und den Strom von wo anders holen.“ „Das Stromaggregat ist nagelneu, das muss funktionieren!“

Ab und zu gab es auch mal kleine Aufmerksamkeiten, zum Beispiel leckere Eier von den Hühnern meiner Kunden. Das ist natürlich nicht nötig, aber ich freue mich trotzdem sehr darüber.

Besonders zu Hause gefühlt habe ich mich bei einer fünfköpfigen Familie in der Nähe von Soest. Sie haben einen kleinen Archehof mit bedrohten Tierarten, ein selbst renoviertes Fachwerkhaus und einen selbst gebauten Zirkuswagen. Ich wurde dort unglaublich herzlich aufgenommen! Da ich erst am späten Nachmittag angekommen bin und nach der Schur kein Zug mehr fuhr, habe ich eine Nacht im Zirkuswagen verbracht. Das Spielen mit den Kindern, das leckere Essen, die wertvollen Gespräche und die friedliche Nacht, werde ich niemals vergessen. Ich habe mich so ruhig und zufrieden gefühlt, wie ewig nicht mehr. Dafür bin ich unendlich dankbar!

Interessante Zahlen und ein Ausblick aufs nächste Jahr

Ok, jetzt noch die Daten, die eigentlich jeder wissen will.

Ich habe 94 Schafe geschoren, bei 19 Kunden macht das im Schnitt ca. 5 Schafe pro Kunde. Ich war auch wieder zum Scheren bei Christian Paulus, ich habe ihn oben nicht als Kunden mit eingerechnet, weil er den Durchschnitt verfälschen würde. Dort habe ich im Juni 77 Moorschnucken an einem Tag geschoren und im August 30 Lämmer an einem Vormittag. Insgesamt habe ich dieses Jahr also 201 Schaf geschoren. Das finde ich schon ziemlich gut, wenn man bedenkt, dass ich nur am Wochenende unterwegs war. Ich bin sehr zufrieden. Bei den vielen verschiedenen Rassen und den vielen Schafen konnte ich viel Erfahrung sammeln.

Im nächsten Jahr werde ich für noch mehr Kunden scheren können. Ich habe einen ganz verrückten Plan, mal sehen, ob der was wird. Denn im nächstes Jahr sind auch die deutschen Meisterschaften im Schafe Scheren, da will ich jetzt endlich auch mal dabei sein. Und ich will auch unbedingt noch mal einen Scherkurs machen, um meine Technik noch zu verbessern, damit das Scheren für mich und die Schafe angenehmer wird.

Ich freue mich jetzt schon, viele von den diesjährigen Kunden im nächsten Jahr wieder zu sehen, neue Kunden zu gewinnen und eine Menge an Erfahrungen zu sammeln!

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