Die Welt mit neuen Augen sehen

Günstige Wurst aus dem Supermarkt? Schmeckt doch gut! Stundenlang duschen? Warum nicht? Essen wegschmeißen? Das passiert halt mal. Ich brauche noch etwas aus der Stadt. Kein Probem, ich fahre grad mit dem Auto hin. Der Mülleimer ist voll. Gott sein Dank kommt morgen die Müllabfuhr, dann ist er weg. Schon wieder eine Erkältung. Hol mal schnell Medikamente aus der Apotheke. Erdbeeren im März? Auf jeden Fall, dafür bezahle ich auch gerne mehr!

Als ich nach Neuseeland ging, fing ich an, die Welt mit neuen Augen zu sehen.

Ich fing an bisherige Selbstverständlichkeiten zu hinterfragen. Was ist eigentlich in der günstigen Wurst aus dem Supermarkt drin? Woher kommt mein Duschwasser? Wie viel Essen schmeißen wir im Jahr weg, einfach nur, weil wir zu viel Essen einkaufen und in unserem Kühlschrank vergessen? Fahre ich mit dem Auto, weil es notwendig oder bequem ist? Was passiert mit meinem Müll? Warum wird man krank? Was bedeutet es Obst und Gemüs außerhalb der Saison zu essen?

Besonders meine Zeit bei Chris Donovan hat mich dahingehend geprägt. Stundenlang haben wir uns unterhalten über nachhaltige Landwirtschaft, Politik, Verschuldung für Haus und Auto und gesellschaftliche Werte.

Als ich dann zurück in Deutschland war, bin ich aber leider größtenteils wieder in alte Gewohnheiten zurück gefallen. Sein Leben zu ändern ist halt schwierig und man bekommt jede Menge Gegenwind, wenn man gesellschaftliche Werte anzweifelt. Ich habe also den Weg des geringeren Widerstands genommen. Ich wünschte ich wäre vor vier Jahren stärker gewesen, dann wäre ich jetzt Landwirtin…

Doch dann habe ich Anfang des Jahres von Chris eine Buchempfehlung bekommen. Dieses Buch hat mich wieder an mein Ich aus Neuseeland erinnert. Es hat mich wieder stark zum Nachdenken gebracht.

Das Buch heißt „The One-Straw Revolution“ oder auf Deutsch „Der große Weg hat kein Tor – Nahrung, Anbau, Leben“ von Masanobu Fukuoka, 2. Auflage 2015, pala-Verlag, Darmstadt.

Hier sind einige besonders interessante Zitate aus dem Buch:

Landwirtschaft

Fertiger Dünger, Herbizide, Insektizide, Maschinen – alles ist unnötig. Werden aber Bedingungen geschaffen, unter denen diese Dinge gebraucht werden, ist die Macht der Wissenschaft gefragt. Ich habe auf meinen Feldern demonstriert, dass natürlicher Anbau Ernten erzielt, die mit denen der modernen wissenschaftlichen Landwirtschaft vergleichbar sind. Wenn die Ergebnisse einer nicht-aktiven Landwirtschaft mit denen der Wissenschaft vergleichbar sind – mit einem Bruchteil an investierter Arbeit und Rohstoffen -, wo ist dann der Nutzen wissenschaftlicher Technologie? S. 159

Die Reisfelder, die seit 1500 Jahren kontinuierlich bewirtschaftet wurden, sind nun durch die ausbeuterischen Anbaupraktiken einer einzigen Generation verwüstet worden. S. 51

Gesundheit

Ärzte kümmern ich um kranke Leute – gesunde Leute werden von der Natur umsorgt. Anstatt krank zu werden und sich dann in eine natürliche Ernährung zu vertiefen, um gesund zu werden, sollte man in einer natürlichen Umgebung leben, sodass Krankheit gar nicht erst auftritt. S. 142

Nahrung

Der Verbraucher fordert große, glänzende, makellose Produkte von regelmäßiger Form. Um diese Wünsche zu befriedigen, sind landwirtschaftliche Chemikalien, die vor fünf oder sechs Jahren noch nicht verwendet wurden, rasch in Gebrauch gekommen. … Die Bereitschaft der Verbraucher, hohe Preise für Früchte zu bezahlen, die außerhalb der Saison produziert  werden, hat auch zum gestiegenen Gebrauch künstlicher Anbaumethoden und Chemikalien beigetragen. … Aber wenn man sich fragt, ob es für den Menschen wichtig ist, diese Frucht einen Monat eher zur Verfügung zu haben, so gelangt man zu der Erkenntnis, dass es überhaupt nicht wichtig ist – und dabei ist Geld nicht das einzige, was für diesen Luxus bezahlt wird. S. 92 f.

Wer meint, gewerblich angebautes Gemüse entsstamme der Natur, der irrt. Solches Gemüse besteht aus einem wässrigen chemischen Gemisch aus Stickstoff, Phosphor und Pottasche, etwas unterstützt durch den Samen. Und genauso schmeckt es auch. Und gewerblich erzeugte Hühnereier (…) sind nichts als eine Mischung aus synthetischem Futter, Chemikalien und Hormonen. Das ist kein Podukt der Natur, sondern ein vom Mensch gemachtes Kunstprodukt in Form eines Eies. S. 99 f.

Nahrungsmittel schmecken ihm nicht notwendigerweise gut, weil sie den feinen Geschmack der Natur besitzen und den Körper nähren, sondern weil sein Geschmackssinn von der Vorstellung bestimmt wird, dass sie gut schmecken. … Heutzutage essen Menschen mit ihrem Verstand, nicht mit ihrem Körper. S. 134

Extravagante Wünsche sind die Ursache für die gegenwärtige schlimme Lage der Welt. Eher schnell als langsam, eher mehr als wenig – diese „Entwicklung“ steht mit dem drohenden Kollaps der Gesellschaft in direkter Verbindung. S. 111

Umweltverschmutzung

Wird eine Entscheidung gefällt, um mit den Syptomen eines Problems fertig zu warden, nimmt man generell an, dass die korrigierenden Maßnahmen das Poblem selbst lösen warden. Sie tun es selten. Ingenieure können das anscheinend nicht in ihre Köpfe bekommen. S. 91

Wissenschaft und Philisophie

Bevor Menschen Forscher werden, sollten sie Philosophen werden. Sie sollten das Ziel der Menschseins erwägen und die Frage, was es ist, das die Menschheit erschaffen sollte. Ärzte sollten zuerst grundsätzlich bestimmen, was es ist, wovon menschliche Wesen im Leben abhängen. S. 82

Es heißt, dass kein Geschöpf weiser als der Mensch ist. In Anwendung dieser Weisheit sind Menschen nun die einzigen Tiere, die einen Nuklearkrieg führen können. S. 148

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Rating*