Das Abenteuer Schafe beginnt

Oh wie süß! Die ist ja niedlich! Aber wer schafft sich denn heute noch Schafe an? Die machen doch nur Arbeit und in unsere heutige Zeit passt das doch gar nicht mehr. Besonders für junge Leute doch nicht, die mitten im Studium stecken und dann bald mal anfangen wollen zu arbeiten. Wofür sollen die überhaupt gut sein?

Das sind Gedanken die vielen durch den Kopf gehen, wenn ich erzähle, dass ich seit Ostern stolze Besitzerin von sechs Schafen bin. Um zu verstehen, warum ich mich dazu entschieden habe, müsst ihr am besten erst mal meine anderen Blogs lesen. Nach fünf Jahren in denen ich immer mal wieder auf Schäfereien gearbeitet habe, kam irgendwann der Wunsch auf, selbst mal welche zu halten. Für andere Schäfer zu arbeiten ist auch toll, man lernt dabei eine Menge und wenn man abends schlafen geht muss man sich keine Sorgen über die Tiere und die nächsten anstehenden Arbeiten machen. Aber so schön wie das auch ist, irgendwann wollte ich auch mal was Eigenes haben. Selbst austesten, wie das ist, die Verantwortung zu übernehmen, für genügend Futter zu sorgen, kranke Tiere zu verarzten und all die anderen kleinen und großen Dinge zu erledigen.

Wenn man noch nicht viel mit Nutztieren zu tun hatte, kann eine Schafhaltung einen sehr romantischen Eindruck erwecken: Ein paar Schafe auf der Wiese hintern Haus, die das Gras kurz halten, die man knuddeln kann und die sehr genügsam sind. Aber in der Realität sieht das wie bei vielen Dingen sehr anders aus.

OK, eigene Tiere haben ist ja verständlich, aber warum dann nicht einen Hund?
Naja, so viele Leute haben Hunde, das kann ja fast jeder, aber Schafe ist mal was anderes. Außerdem muss man mit denen nicht Gassi gehen und wann bekommt Wolle und Fleisch von den Tieren.

Spätestens dann kommt die meist mit einem entsetzten Gesichtsausdruck verbundene Frage: Willst du die armen Schafe wirklich schlachten lassen? Auch die Lämmer?
Und dann fängt das große Erklären an. Erstens werden die Lämmer erst mit neun bis zwölf Monaten geschlachtet und sehen dann schon aus wie große Schafe. Das Osterlamm, was viele Leute essen, ist somit schon fast ausgewachsen und hat mit den kleinen zwei Wochen alten Lämmern, die fröhlich auf der Wiese hin und her hopsen, nicht mehr viel gemeinsam.
Zweitens finde ich es eine bescherte Einstellung, dass man eigene Schafe hat, die aber aus emotionalen Gründen nicht schlachtet und lieber zum nächsten Supermarkt fährt und wahrscheinlich Fleisch von Tieren aus Massentierhaltung kauft. Schafe sind eine der wenigen Nutztiere, die man sehr schwer in Mastställen halten kann und die deswegen ein glückliches Leben draußen unter freiem Himmel genießen können!

Und so geht es auch meinen sechs Dicken. Den ganzen Tag an der frischen Luft (obwohl ich bei Regen nicht mit denen tauschen möchte), jede Menge leckeres Futter und viele Leute, die gerne zum Streicheln vorbei kommen. Die drei Großen lassen sich noch gar nicht gerne streicheln, fallen dafür aber gerne über mitgebrachte Leckereien her, während die Kleinen sich ausgiebig scheuern lassen.
Die meisten von euch kennen die sechs ja schon, alle anderen können gerne mal vorbei kommen, wenn ich am füttern bin 😉

Ganz alleine könnte ich die Schafe nicht halten. Aber dadurch, dass ich vor einem Jahr wieder zurück ins gute alte Retzen gezogen bin, habe ich hier viel Unterstützung durch meine Familie. Das ist auch ein Grund, warum ich mir gerade jetzt Schafe angeschafft habe. Wer weiß, wo ich nach dem Studium Arbeit bekomme. Hoffentlich in Lippe, aber falls nicht, dann will ich die Chance bis dahin nutzen und selbst Schafe halten.

Und noch ein Grund für die Schafe: Die haben das Leben auf der Retzerheide ganz schön aufgemischt!

Ich werde natürlich immer mal wieder berichten, was mit den Dicken so los ist. Demnächst wird geschoren und dann gefilzt 🙂

Bleibt neugierig 😉
Karo

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